Computerspiele – Gut oder schlecht fürs Gehirn? Das Genre entscheidet

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Machen Computerspiele krank? Das hängt davon ab, welche Spiele man bevorzugt spielt, wie aktuelle Forschung nahelegt.

Machen wir Computerspieler auf Dauer unser Gehirn kaputt, oder trainieren wir es? An kanadischen Universitäten wurden diesbezüglich Studien durchgeführt, und die Forscher kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Überraschung: Offenbar hängt der Effekt auf unser Gehirn vom Genre des Spiels ab.

Super Mario 64 gegen Demenz?

Im Dezember 2017 wollen kanadische Forscher einen positiven Effekt bestimmter Computerspiele auf das menschliche Gehirn nachgewiesen haben. An der Universität Montreal wurde eine Studie mit älteren Menschen durchgeführt, um die Auswirkungen von regelmäßigem Computerspielen auf das Gehirn zu untersuchen. Bei den Probanden, Menschen im Alter von 55 bis 75 Jahren ohne bisherige Videospiel-Erfahrung, wurde im Vorfeld des Versuchs die Masse der Grauen Substanz des Gehirns ermittelt. Zudem wurde ein Gedächtnistest durchgeführt.

Die Graue Substanz des Gehirns besteht vornehmlich aus Nervenzellkörpern und geht bei einer fortschreitenden Demenz immer weiter zurück, bis Patienten zunehmend die Orientierung verlieren, Gedächtnisschwund erleiden und schließlich pflegebedürftig werden.

Die Probanden wurden vor Versuchsbeginn zufällig in drei Gruppen eingeteilt:

Die erste Gruppe spielte im Zeitraum von sechs Monaten fünfmal pro Woche eine halbe Stunde Super Mario 64, die zweite lernte im selben Zeitraum Klavierspielen und die dritte bekam keine Aufgaben. Einige Spieler beendeten das Spiel innerhalb des Zeitrahmens und spielte daraufhin Super Mario Galaxy.

Nach Ablauf der sechs Monate wurde die Graue Substanz der Probanden erneut gemessen. Die Super-Mario-Spieler konnten ihre Graue Substanz vergrößern und erneute Gedächtnistests förderten ein verbessertes Kurzzeitgedächtnis zutage. In den Vergleichsgruppen dagegen war keine Zunahme der Grauen Substanz zu messen.

Dafür trainierten Klavierspieler einen Bereich im Gehirn, der für Bewegung und Gleichgewicht zuständig ist. Diesen hatten die Videospieler jedoch ebenso trainiert.

Als Grund für das Wachstum der Grauen Substanz vermuten die Forscher die regelmäßige Beanspruchung des Hippocampus – eine Hirnregion, in der die Aufarbeitung räumlicher Informationen stattfindet. Durch das Erstellen einer Art »innerer Karte« im 3D-Videospiel Super Mario 64 sei der betreffende Bereich des Hirns trainiert worden.

Wie lange diese Effekte vorhalten und ob sie das Potenzial haben, einer Demenz vorzubeugen, müssen Folgeuntersuchungen zeigen.

Shooter schlecht fürs Gehirn?

Zwei Forscher, ebenfalls an der Universität Montreal, kamen bei Ego-Shootern zu einem anderen Ergebnis. Im August 2017 veröffentlichten Greg West und Véronique Bohbot ihre alarmierenden Versuchsergebnisse im Fachmagazin Molecular Psychiatry.

Demnach könnte gewohnheitsmäßiger Konsum von Action-Spielen wie Call of Duty, Playerunknown’s Battlegrounds oder Battlefield 1 zu einem Verlust Grauer Substanz im Gehirn führen. Zwar hätte frühere Forschung durchaus positive Effekte auf kognitive Areale des Hirns nachgewiesen, »vor allem in Bezug auf visuelle Aufmerksamkeit und Kurzzeitgedächtnis«, sagte West, Dozent für Psychologie an der UdeM. Allerdings gebe es auch Gegenanzeigen. Während bestimmte Areale des Gehirns trainiert würden, könnte der Hippocampus einen negativen Effekt erleben.

»Deshalb haben wir uns entschieden, eine vollständige Neuro-Imaging-Studie zu machen, die Gehirne gewohnheitsmäßiger Spieler von Action-Videospielen zu scannen und sie mit Nicht-Spielern zu vergleichen. Wir fanden weniger graue Substanz im Hippocampus bei den Spielern. Dazu kamen zwei Longitudinalstudien zur Feststellung der Kausalität, und wir fanden heraus, dass es tatsächlich das Spielen war, das zu Veränderungen im Gehirn führte.«

Wie bereits oben beschrieben, ist der Hippocampus eine der zentralen Hirnregionen. Das episodische Gedächtnis speichert vergangene Erfahrungen und das räumliche Gedächtnis hilft den Menschen, sich zu orientieren. Ein anderer wichtiger Teil des Hirns ist das Striatum, das den Nucleus Caudatus enthält. Dieser »Autopilot« ist für die Automatisierung kognitiver Aufgaben mitverantwortlich.

Die Studie zeigt nun, dass sich 85 Prozent der Shooter-Spieler vor allem auf den Nucleus Caudatus verlassen, wenn sie beispielsweise jeden Winkel einer Map in- und auswendig kennen.

Problematisch dabei ist: Je mehr sie den Nucleus Caudatus verwenden, desto weniger nutzen sie den Hippocampus. Dieser verliert dadurch nach und nach Zellen und verringert seine Masse.

Und je mehr der Hippocampus aufgebraucht ist, desto größer wird die Gefahr, dass Menschen an Gehirnleiden erkranken, die von Depressionen bis hin zu Schizophrenie, PTBS und Alzheimer reichen.

Um dem entgegenzuwirken, richten die Forscher das Wort an Computerspiel-Entwickler: Durch das Vorhandensein von Orientierungshilfen wie Minimaps würden Areale des Gehirns, die für räumliche Wegfindung verantwortlich sind, unterbeansprucht. Man solle Spielern mehr eigenständige Orientierung abverlangen.

Shooter aber gut für die Augen?

An der kanadischen McMaster Universität in Hamilton fand man bereits im Jahr 2012 heraus, dass Spielen von Ego-Shootern einen positiven Effekt auf die Augen haben kann. Eine Studie bei Menschen mit angeborenem und später operativ korrigiertem Grauem Star legt dies nahe.

Die Probanden hatten in Folge der Korrektur nie die volle Sehkraft erlangt.

Im Rahmen der Studie spielten sie 10 Stunden lang den Ego-Shooter Medal of Honor in kontrollierter Umgebung und daraufhin zwei Stunden täglich, bis sie eine Spielzeit von 40 Stunden erreicht hatten.

Bei anschließenden Untersuchungen wurden Verbesserungen in der Sicht für Details, bei der Bewegungswahrnehmung und der Wahrnehmung in kontrastarmen Umgebungen festgestellt. Die Spieler konnten ein bis anderthalb Zeilen mehr auf einer Optometrie-Sehtafel erkennen.

Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass das Adrenalin, das beim Spielen von Actionspielen erzeugt wird, Dopamin erzeugt, welches in Kombination mit dem Detailreichtum eines 3D-Spiels visuelle Verbindungen im Gehirn neu verdrahten kann.

Mit weniger Action-lastigen Spielen wie Tetris oder The Sims wurden diese positiven Effekte nicht gemessen. Ohne den Adrenalinrausch, der von Action-Gameplay erzeugt wird, kommen die positiven Ergebnisse auf die Sicht demnach nicht zustande.

Maßvolles Spielen empfohlen

Wir geben zu bedenken, dass Studien in Bezug auf Computerspiele noch eine Nische der wissenschaftlichen Welt darstellen. Verlässliche Ergebnisse werden erst in Folgestudien mit komplexerem Versuchsaufbau und größeren Probandengruppen erzielt werden können.

Trotzdem sind die Ergebnisse bereits höchst interessant, Chancen auf Hilfe bei Demenzerkrankungen sollten unbedingt weiterverfolgt werden. In puncto Hippocampus-Atrophie bei Shooter-Spielern sind die Ergebnisse sogar beängstigend.

Denn nach aktuellem Stand der Forschung kann übermäßiges Shooter-Gameplay durchaus negative Effekte auf das Gehirn haben. Ein maßvolles Spielen und genügend gesunder Ausgleich sei euch an dieser Stelle wärmstens ans Herz gelegt.

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